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Samstag, 9. Februar 2013

Von Negerkönigen in der heutigen Zeit

Einer meiner ersten Atlanten, war der "aktuelle illustrierte Atlas" aus dem Jahre 1960. Dieser verfügte neben vielen Karten auch ein tabellarisches Länderverzeichnis. In diesem Länderverzeichnis waren sowohl unabhängige Staaten als auch Kolonien aufgeführt. In der Spalte "Landessprachen" stand bei vielen afrikanischen Territorien einfach nur "Negersprachen". Als Kind fand ich nichts dabei und hielt es für normal. Gleiches galt, wenn meine Oma mir "Negerküsse" anbot.
So war das Wort "Neger" für mich ein gebräuchliches und normales Wort, das einen Menschen bezeichnet, der eine dunkle Haut hat. Diskriminierend oder gar rassistisch war der Gebrauch habe ich das Wort nie benutzt.
Heute bin ich mir bewusst, dass in Afrika neben Arabisch und den Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte auch Bambara, Haussa und Swahili u.v.m. gesprochen werden. Wenn ich heute eine mit Eiweißschaum gefüllte und mit Schokolade überzogene Süßigkeit haben wollte, so fragte ich nach einem Schokokuss oder einem Schaumkuss.
Die Bezeichnung für einen Menschen mit dunkler Hautfarbe hat sich in den Jahren und Jahrzehnten gewandelt. Während am Anfang der Wort Neger gebräuchlich, so änderte es sich zur "Schwarzen", anschließend die Bezeichnung "Farbiger" als korrekt anerkannt und schließlich kam die Bezeichnung "Menschen mit maximal pigmentierter Haut" auf. Ich verwende die Begrifflichkeit "Menschen mit dunkler Hautfarbe", sofern ich überhaupt Menschen kategorisiere.
Vor einem ähnlichen Problem stand die Familienministerin Kristina Köhler Schröder. Sie sollte Kindern die Geschichte von Pippi Langstrumpf vorlesen. Wie vielleicht einigen bekannt ist, ist Pippis Vater einst nach Taka-Tuka-Land ausgewandert und hat sich dort so gut integriert, dass die Taka-Tuka-LänderInnen ihn zum Staatsoberhaupt gemacht haben. In den Büchern Astrid Lindgrens wird er "Negerkönig" genannt. Das wollte Frau Schröder nicht vorlesen und änderte spontan die Bezeichnung in "Südseekönig" um.
Dies brachte die Feuilletons zum Kochen. Die sagten, es sei ein Skandal, dass die Ministerin sich von der Vorlage getrennt hat, die sagten monierten, dass nachwievor das Wort Neger in Kinderbücher gedruckt wird. Die anderen fanden, es sei längst überfällig das böse N-Wort zu eliminieren.
Außerhalb der Feuilletons ist das Wort "Neger" nachwievor präsent. Bei der letzten Herren-Fußball-WM schoß der afrikanischstämmige Spieler Mario Balotelli die deutsche Fußballnationalmannschaft aus dem Turnier. Anschließend gab es eine ganz widerliche Hetze gegen den Spieler. Auch im Fußballstadion habe ich diesen Begriff traurigerweise mehrfach hören müssen.
Zurück zu den Kinderbüchern. Ich gehöre zu denjenigen, die sich für eine Abänderung der Kinderbuchtexte ausspricht. Denn Kinderbücher werden auch von Kindern alleine gelesen. Es sitzt nicht immer ein Erwachsener daneben, der erklären kann, dass das Wort "Neger" nicht mehr zeitgemäß ist. Daher kann ich nur appellieren, dass man Literatur Literatur sein lassen soll und anstatt rassistischer Worte lieber zeitgemäße Worte verwenden sollte, das wäre bestimmt auch im Sinne vieler AutorInnen.

Freitag, 18. Januar 2013

Als die neoliberalen Unken riefen

Als ich angefangen habe, mich mit Politik auseinander zu setzen, waren einige Parolen so präsent: Die Globalisierung nötigt uns Opfer ab. Es war damals Konsens, dass der Sozialstaat abgebaut werden müsse. Der Widerstand dagegen war gering. Ebenso herrschte die Auffassung, dass die ArbeitnehmerInnen den Arbeitgebern dankbar sein müssen, dass er ihre Arbeitsplätze nicht nach Osteuropa oder China "outsourced". Der Staat hatte sich aus der Wirtschaft herauszuhalten. Deregulierung war das Gebot der Stunde, damit auch ja nicht die Gewinnmaximierung durch den Staat beeinflusst wurde. Menschen wurden in der Wirtschaft nur als Kostenfaktor gesehen. Das ganze Leben hatte sich an die Ägide der Wirtschaftlichkeit zu halten. Betriebswirtschaftliches Denken war in der Lebensplanung trumpf. Dazu wurden Bildungsreformen wie der Bologna-Prozess oder G8 mit der heißen Nadel gestrickt. Mit den Konstruktionsfehler ärgern sich noch heute SchülerInnen und Studierende (auch ich!) herum. Ein weiteres Schlagwort jener Zeit war "Eigenverantwortung", eine Euphemismus für den Rückzug des Staates aus den Sozialsystemen bei gleichzeitiger Subvention privater Ersatzversicherungen. Walter Riester schafte es so nicht nur in die Geschichtsbücher, sonder auch in den Duden (riestern). Pervertiert wurde das Ganze durch die Hartz-Reformen, besonders bekannt ist die Hartz-Reform IV, mit den Menschen, die keine Arbeit haben, die letzte Würde genommen wurde.

Es mag sein, dass der Neoliberalismus ein Zeitgeist war, der irgendwann verflogen ist  Trotzdem finden wir ihn noch heute: Zwar sind seine VertreterInnen nicht mehr so laut und nicht als Teil des Mainstreams anerkannt, aber es gibt sie nachwievor. Statt selbst zu schreien (oder Friedrich Merz vorzuschicken) kämpfen aus dem Verborgenen. Sie setzen auf raffinierten Lobbyismus, sie verstecken ihre Botschaften geschickt und können sich auf eine nachwachsende Generation stützen, die den Neoliberalismus mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Die gute Nachricht ist es, dass es eine Gegenbewegung gibt, die den Mainstream zu erreichen scheint. In den Medien wird die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" als "arbeitgebernah" beschrieben wird und die FDP sinkt in der WählerInnengunst. DIE LINKE hat sich bereits einigermaßen etabliert.

Doch es gibt noch viel zu tun. So müssen die Fehler der neoliberalen Ära ausgemerzt werden: Hartz-IV abschaffen, die Durchökonomisierung der Bildung entschärfen und sämtliche Privilegien der Wirtschaft beschneiden.

Es mag noch ein langer Weg zur solidarischen Gesellschaft, aber es lohnt sich, ihn zu gehen, denn wir können alle davon profitieren, auch wenn es am Anfang für einige wehtun sollte, die Vormachtstellung zu verlieren.

Montag, 10. Dezember 2012

Zur Friedensnobelpreisverleihung an die EU

2004 nahm ich mit meiner damaligen Schulklasse an einem Austausch mit einer danziger Musikschule teil. Anlass dieses Austauschs war die EU-Osterweiterung. Wir lernten Danzig und die polnische Gastfreundschaft kennen. Auf dieser Reise kam mir der Gedanke: "Europa, muss ich das jetzt gut finden?". Wir hörten auf dieser Reise viele pathetische Worte zu Europa mit der Kernaussage, Europa, das sei unsere Zukunft. Ich bin damals wie heute kein begeisterter Europäer, aber auch kein europaablehnender Kleingeist. Ich finde die Idee Europas gut, hinterfrage aber trotzdem jeden Schritt der Europäisierung.
Jetzt im Jahre 2012 ist die europäische Gemeinschaftswährung Euro in ihrer bisher schwersten Krise. Diese Krise ist Folge der wilden Spekulationen und der Wetten auf den Kapitalmärkten. Sie beflügelt proketionistische Gedanken. Insbesondere die Unterstützung Griechenlands wird heftig kritisiert. Ich hingegen halte die Griechenlandhilfe für einen Akt der Solidarität innerhalbs Europas, zumindest, wenn diese Hilfe bei GriechInnen ankäme, und nicht auf Umwegen wieder bei den Banken landet, die Griechenland in diese Situation gebracht haben. Besonders die BRD sollte sich mit Kritik zurückhalten, denn sie hat am meisten von den Umständen, die den Euro in die Krise geführt haben, wirtschaftlich profitiert. So hat Deutschland das Sozialniveau heruntergefahren (Stichwort Hartz-Reformen), die Reallöhne sind gesunken und die Wirtschaft dereguliert. Dadurch sanken deutsche Produkte im Preis und wurden somit attraktiver als die Produkte aus den Krisenstaaten.
Zurück zum eigentlichen Thema. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die EU ein bürokratisches Monster geschaffen hat. Das stimmt nur zum Teil. Es ist zwar richtig, dass die EU jedes Jahr eine Menge Rechtsakte geschaffen, wovon auch einige skurril erscheinen. Aber die meisten Rechtsakte berühren den Großteil der BürgerInnen nicht, denn sie sind nur für die Wirtschaft relevant. Allerdings sind einige Rechtsakte, die vor allem die BürgerInnen betreffen auch sehr fragwürdig. Das Verbot der Glühbirne war überhastet und von dem Trend des Jahres 2007, dem CO2-Sparen, geschuldet. Zur Glühbirne gab und gibt es keine adäquate Alternative. Die Energiesparlampen sind noch nicht ausgereift und zudem auch noch nach Ablauf ihrer Lebensleistung Sondermüll. Ein Beispiel für ein "gutes" Gesetz ist das sog. Antidiskriminierungsgesetz, dessen Ziel es ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Dieses Gesetz ist eine Umsetzung mehrerer EU-Richtlinien. Auch wenn einige Kritiker das Gesetz für schlecht umgesetzt halten, so ist die Intention die richtige Richtung.
Weiter ist auch anzumerken, dass die EU den Friedensnobelpreis wegen der Tatsache, dass es auf dem Territorium der EU seit dem Zweiten Weltkrieg keinen Krieg mehr gegeben hat. Dies war eines der Hauptziele, warum die EU bzw. ihre Vorgängerorganisationen gegründet wurden. Man muss bedenken, dass so gut wie auf dem europäischen Festland statt gefundenen Kriege Wirtschaftskriege waren. Wenn aber bei wirtschaftlichen Prozesse die Staaten aufeinander angewiesen sind, wie es in der EU der Fall ist, sind Wirtschaftskriege kontraproduktiv.
Zwei beliebte Gründe, sich gegen die Vergabe des Friedensnobelpreis an die EU zu echauffieren, sind Frontex und die EU-Eingreiftruppe. Frontex ist die Zusammenarbeit der EU-Staaten bei der Überwachung der EU-Außengrenzen. Dabei ist es zu kritikwürdigen Vorfällen auf dem Mittelmeer gekommen. Dabei sollen Frontex-MitarbeiterInnen den Flüchtlingen Treibstoff und Nahrungsmittel abgenommen haben, um diese zum Umkehren zu bewegen. Ich missbillige ein solches Verhalten. Das zweite Argument ist die EU-Eingreiftruppe. Diese existiert in Kooperation mit der NATO. Ein Einsatz hat bisher noch nicht stattgefunden. Darüber hinaus hat die EU zwar eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die oftmals Kriege außerhalb Europas durch Passivität fördert bzw. sich auch nicht äußert, weil sich die Staaten nicht auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können. Somit kann man der EU vorwerfen, dass sie außerhalb ihres Territorium nicht genug für die Erhaltung des Friedens macht.
Als Fazit kann man sagen, dass die EU durchaus keine unwürdige Trägerin des Friedensnobelpreis ist, aber es bestimmt KandidatInnen gegeben haben könnte, die ihn mehr verdient haben.

Dienstag, 7. Februar 2012

Duisburg hat die Wahl - Gedanken zur Abwahl Adolf Sauerlands

Duisburg hat die Wahl!

Seit den schrechklichen Ereignissen vom 24.7.2010 sind nun anderhalb Jahre vergangen. Trotzdem kocht die Seele der BewohnerInnen von Duisburg nach wie vor. In den folgenden Zeilen will ich mich zur Abwahl am 12.2.2012 des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) und die Loveparadekatastrophe äußern. Ich will zudem noch meine Beweggründe für meine Entscheidung für die Abwahl Adolf Sauerlands darlegen.

Ich selbst wäre um ein Haar auch zur Loveparade gegangen, obwohl die dort gespielte Musik nicht meine Musik ist. Es hatte sich sogar Besuch aus meiner alten Heimat Bremen angesagt, der aber recht spontan wieder abgesagt hatte. So hatte ich jenen verhängnisvollen Sonnabend mir zum Statistik lernen freigehalten.

Ab etwa 10:00 Uhr an jenem Morgen der Loveparade lag ein wummernder Bass in der Luft von Duisburg. Ich drehte meine Boxen deswegen etwas lauter als sonst. Interessehalber öffnete ich im Browser einen Liveticker der Loveparade, den ich immer wieder im Laufe des Tages aktualisierte. Die Kammerstraße, in der ich wohne, die etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt ist, war an diesem Tag teilweise gesperrt. Die normalerweise aufheulenden Busse waren umgeleitet worden. Vereinzelt fuhren Autos vorbei. Somit war es schon den gazen Tag eine gespenstige Atmosphäre verbreitete. Gegen 15.00 Uhr wollte ich einkaufen und hatte Glück, dass mein Stammsupermarkt trotz des Großereignisses aufhatte. Nach dem Einkaufen widmete ich mich wieder linearen Regressionen und anderen statistischen Berechnungen. Gegen 18.00 Uhr - eine bittere Ironie des Schicksals wollte, dass ich gerade "Caught in the Mosh" von Anthrax hörte - laß ich, dass es Tote auf der Loveparade gab. Die Anzahl hatte ich überlesen. Im ersten Moment, daher dachte ich, jemand hätte einen Herzinfarkt oder ähnliches gehabt. Solche Vorfälle kommen auf Massenveranstaltungen nunmal traurigerweise vor. Ich laß die Meldung nochmal genauer und erschrak: Es wurden tatsächlich 10 Tote gemeldet, was schon ungewöhnlich war. Ich machte die Musik aus, legte meine Lernunterlagen beiseite und schaltete den Fernseher ein. Ein offensichtlich schockierter Thomas Bug und seine Kollegin versuchten die Situation zu erfassen und zu beschreiben. Etwa eine Stunde später rief ich meine Eltern in Bremen an, damit sie sich nicht mehr sorgten. Sie hatten allerdings nicht von der Katastrophe noch nichts mitbekommen und sich deshalb auch keine Sorgen um mich gemacht. Im Laufe des Abends kristallisierte sich heraus, dass es sich bei diesem Unglück um eine Massenpanik handelte. Ich hatte Massenpaniken in Deutschland für schwer möglich gehalten, sondern eher in Ländern vermutet, deren Sicherheitsbestimmungen nicht so streng sind. Bis etwa 22 Uhr lief bei mir der Fernseher, wo auf dem WDR ständig Sondersendungen gezeigt wurden. An meiner Wohnung fuhren den Abend über immer wieder Krankenwagen vorbei. Im Laufe des Abends kamen viele verwirrte LoveparadebesucherInnen entlang, die nichts mitbekommen haben, und nun von der Katastrophe per Handy erfuhren, weil das Handynetz, das den Tag mehrfach länger ausgefallen ist. Am nächsten Tag wurde dann das Ausmaß der Katastrophe klar: 21 Tote und über 300 Verletzte (Die häufig genannte Zahl von 500 Verletzten ist Gesamtzahl der Verletzten der Loveparade, also auch mit denjenigen, die nicht durch die Massenpanik zu Schaden kamen).

Über einen Rücktritt habe ich am Tag des Unglücks und am nächsten Tag kaum nachgedacht. Mir war als angehender Politikwissenschaftler klar, dass die Schuld und die Verantwortung nicht bei einer Person alleine zu finden sind. Des weiteren war ich mit meinen Gedanken eher bei der o. g. Tatsache, dass ich unter den Opfern hätte sein könnte, da ich wahrscheinlich, unserer Zeitplanung nach, mit meinem Bekannten etwa zu der Uhrzeit des tragischen Ereignisses an dem Ort gewesen wären. Erst als er sich einige Tage später äußerte und dermaßen in Selbstmitleid badete, dass man selbst peinlich berührt war. Das muss ein Schlag ins Gesicht der Traumatisierten und der Angehörigen der Toten gewesen sein. Auch seine weiteren, nachweißlich unwahren Äußerungen machten ihn nicht mehr haltbar. Vor allem sein Klammern am Amt macht ihn Tag für Tag unwürdiger für sein Amt. Sein ewiges Ausweichen und Verschieben, endlich die Konsequenzen zu ziehen, waren wirklich widerlich. Dies bewog mich dazu, als Bürger dieser Stadt, den OB nicht mehr weiter als Stadtoberhaupt ertragen zu wollen. Seit der Massenpanik liegt Duisburg in einer Schockstarre. Es passiert nichts mehr. Nichts ist mehr wie früher. Alle warten auf einen Neuanfang. Einen Neuanfang ohne Adolf Sauerland. Einen Neuanfang mit jemanden unbeflecktem an der Stadtspitze. Nun haben mutige BürgerInnen dieser Stadt die Initiative "Neuanfang für Duisburg" ins Leben gerufen. Gemeinsam haben sie fast 80000 Unterschriften für die Abwahl des ungeliebten CDU-Mann gesammelt. Diese wurden der Stadtverwaltung überreicht. Diese enorme Anzahl an Unterschriften reicht für die Einleitung des Abwahlverfahrens.
Es mag sein, dass sich Duisburg seit dem Amtsantritt von Sauerland schöner und lebenswerter geworden ist. Das will ich nicht beurteilen, lebe erst seit 2008 hier. Aber trotzdem, wer sich so benimmt kann sich nicht auf seine gesammelten Lorbeeren berufen. Auch das Argument, dass er juristisch und verwaltungstechnisch weder Verantwortung noch die Schuld trägt lasse ich nicht durchgehen. Er hat schließlich trotz Bedenken zur Durchführung der Loveparade gedrängt, obwohl das Sicherheitskonzept auf tönernden Füßen steht. ER ALLEIN TRÄGT DIE MORALISCHE VERANTWORTUNG!

Von daher mein Aufruf: Am 12. Februar sollten alle DuisburgerInnen ihr Wahllokal aufsuchen und Adolf Sauerland abwählen. Oder alternativ Briefwahl machen. Ich werde es auch tun und mit "Ja" ihn abwählen.


Nachtrag: Adolf Sauerland ist in der Zwischenzeit abgewählt. In der Zwischenzeit hat Duisburg wieder einen OB: Sören Link.

Sonntag, 15. Januar 2012

Bürger schützen Politiker: Gedanken zum Fall Wulff.

Seit nunmehr 4 Wochen beherrscht ein Thema die mediale Diskussion der Bundesrepublik Deutschland: Die Causa Wulff. Nach Kreditaffäre, Urlaubsreisen und alberner Gerichtsposse kommt nun eine weitere Merkwürdigkeit auf, die der wulfftreuen Bevölkerung. Bei Facebook posten die Nachrichtenportale der großen und kleinen Zeitungen, Zeitschriften und Sender ihre brandaktuellen Nachrichten. Dabei geht es auch um Wulff und seine Schandtaten. Das revolutionäre von Facebook ist es, dass man als Konsument diese Nachrichten kommentieren kann. Ich mache ganz gerne. Dabei kritisiere ich häufiger auch mal das Nachrichtenorgan, das die Meldung hervorgebracht hat. Andere TeilnehmerInnen dieser Diskussionen mischen sich dann auch ein. Manchmal haben diese Diskussionen etwas von einer Konferenz Bilnder, die sich über Farben unterhalten. Häufig kriegen die PolitikerInnen, meistens verdient, ordentlich auf den Sack oder die Gebärmutter. In der Theorie müsste das beim werten Herrn Bundespräsident ja genau so sein. Teilweise ist auch so, aber darunter mischen sich dann immer wieder, die mit
"es NERVT!!!!!! lasst doch den Mann in Ruhe. es gibt nur noch das eine Thema..... braucht ihr Quoten?"
 kommen. Alternativ kommt auch  
"mir geht das ganze langsam auf den Sack, gibts nichts wichtigeres in unserem Land und Europa zu regeln --> Kümmert euch mal um _wichtige_ Sachen!!! Meiner Meinung nach ist es uns nicht geholfen jetzt nach einem neuen BP ausschau zu halten...[...]"
und so weiter und sofort. Die Grundaussage ist es meistens, dass Thema "langweilig" sei und es "wichtigere Themen" gebe. Häufig wird dann auch noch mit der "Würde des Amtes" argumentiert. Nun könnte man meinen, dass seien übereifrige JU'ler oder anderes konservatives Pack der CDU nahe Stehenden. Aber nein, bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass es bei diesen Personen um meistens parteipolitisch unengagierte handelt. Sie interessieren sich für Motorradfahren, hören Stevie Wonder oder reisen gerne nach Frakreich. Sie sind literarisch aktiv oder waren über Weihnachten in London. Ich finde dieses Verhalten schon fragwürdig. Wo ist Interesse für die Aufklärung solche Schweinereien? Warum wollen diese einfachen BürgerInnen nicht wissen, was der erste Mann im Staat gemacht hat? Viele wiegeln ab und sagen "Jeder Politiker hat Dreck am Stecken, so auch unser Bundespräsident. Na und?".

In der Zwischenzeit  nehmen die Medien die "Wünsche" dieser Quälgeister auf und reagieren mit "Wulff-freien" Ausgaben. Sonia Mikich kommentiert es folgendermaßen:
"Und das ist schon paradox, inzwischen müssen sich die Medien rechtfertigen, weil sie ihren Job machen."
So kann es nicht weitergehen!

Wo kommen wir denn hin, wenn eine geringe Minderheit lauter BürgerInnen durch Protest Einfluss auf die Medien nimmt? Das hat ja schon eine Parallele zu Wulffs Mailbox-Nachricht. Nur mit dem erschreckenden Ergebnis, dass sie diesmal, wie oben zu sehen, teilweise Erfolg haben.

Die Medien müssen weiter über solche skandalösen Zustände reden dürfen. Nicht beeinflusst von LeserInnen oder PolitikerInnen.

Dienstag, 10. Mai 2011

Bildung macht dumm.

Ich habe heute einen interessanten Artikel über die neue Profiloberstufe gelesen. 
Da bin ich doch froh, dass ich mein Abitur und meine Schulzeit hinter mir hatte. Ich hatte ja noch das Glück Leistungs- und Grundkurse erleben zu dürfen. Anno 2005 in Bremen, ich  bin in die gymnasiale Oberstufe gekommen. Wir hatten zwar ein Profil (ein Leistungskurs und zwei Grundkurse), das mit den gleichen Hackfressen im Klassenverband unterrichtet wurde. Daneben konnte man sich ganz individuell einen Leistungskurs dazuwählen, sofern er angeboten wurde. Die restlichen Grundkurse konnten auch unter Beachtung bestimmte Belegungsauflagen hinzu gewählt werden. Das war ganz schön. Ich habe mich für das Deutschprofil entschieden und als weiteren LK Geschichte gewählt. Im Deutschprofil enthalten waren die Fächer Mathe und Kunst. Des weiteren hatte ich noch die Fächer Latein, Biologie, Physik, Politik und nachmittags Sport, wobei zwischen verschiedenen Sportarten, die jahrgangsübergreifend organisiert waren, wählen konnte. Bewusst hatte ich die Fächer Englisch und Chemie abgewählt. Vor allem bestand überhaupt noch die Möglichkeit Englisch abzuwählen, was heute kaum noch geht. Interessant in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen ist, dass wir von einigen LehrerInnen in der Oberstufe gesiezt wurden. Etwas, was wegen der Verkürzung (zumindest ist das die Erklärung die mir einfällt), was heute nicht mehr gemacht wird.
Was mich aber jetzt doch erschreckt ist die neuen Profiloberstufen. Doch wohin soll sie führen? Sollen da bessere Menschen ersteigen oder nur willfähigen Sklaven des Arbeitsmarktes, die formbar und nicht fähig sind zu kritisieren. Menschen, die auswendig lernen und bei denen nichts dahinter ist? Zugegeben, man ist mit Auswendiglernen sehr erfolgreich, man schreibt die besseren Noten und ist besser aufs Studium vorbereitet. Aber was soll aus der Gesellschaft werden, wenn die Bildung nur unter dem Label "Vergleichbarkeit" vermittelt wird. Wird dadurch der Lerner, der Zubildende nur gleichgeschaltet gleichgemacht? Die Wahl der LKs ist nun kein Ausdruck mehr von Interesse und Individualität, sondern nur noch ein vorgefertigter Fächkanon, bei dem man nicht die eigenen Stärken zeigen kann, sondern knallhart selektiert werden soll. Selektion ist sowieso das Stichwort für unser Bildungssystem, insbesondere in den Schulen (über die Hochschulen schreibe ich bestimmt ein anderes mal etwas). Geht es nach, insbesonders konservative PolitikerInnen, soll sich der Bildungs- und damit meist auch Lebensweg, auch weiterhin nach der 4. Klasse, also mit 10-11 Jahren, entscheiden. Allerdings kann man in diesem Alter nicht entscheiden, da eine wichtige Lebensphase, die Pubertät, noch bevorsteht. Es wird zwar häufig die angebliche Durchlässigkeit des mehrgliedrigen Schulsystems propagiert, tatsächlich aber ist es nicht so. Der Weg nach unten (Gymnasium-Realschule-Hauptschule) ist der wahrscheinlichere Weg, als umgekehrt. Was aber an der Selektion nach der 4. Klasse besonders erschreckend ist, ist die Tatsache, das auch soziale Stellung der Eltern und ihr Bildungsabschluss für die Entscheidung der weiterführende Schule herangezogen wird, besonders, wenn die LehrerInnen über die Zukunft der Kinder entscheiden.
Wie kann man aus einem solchen Dilemma entfliehen? Ganz klar, länger gemeinsam lernen. Aber nicht nur im Hinblick von gleichem Unterrichtsstoff, sondern auch im Hinblick von Fördern und Fordern. Damit ist nicht Grundsatz von HartzIV gemeint, sondern Schwächen sollen gefördert werden, Stärken gefordert. Ein Konzept, wie es in den Gesamtschulen praktiziert wird, sollte flächendeckend bei allen allgemeinbildenden Schulen eingeführt werden, mehr LehrerInnen eingestellt, kleine Klassen geschaffen und Sozialpädagogen vermehrt eingesetzt. Jetzt wird der eine oder die andere sagen,  "das ist teuer. Wie sollen wir das finanzieren?" Ein gutes Argument, aber dann müssen wir uns die Frage stellen, wie teuer es sei, es nicht zu tun. 

Musik beim Schreiben: Alice Cooper "School's Out"